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                           Gibt es rassetypische Krankheiten beim Deutschen Pinscher?

 

 

Wirklich rassetypische Krankheiten beim Deutschen Pinscher gibt es nicht. Trotz des beschriebenen engen Genpools gehört diese Rasse zu den robusten und wenig krankheitsanfälligen Hunderassen.

Den Züchtern von Deutschen Pinschern sind jedoch ein paar Krankheitserscheinungen bekannt, deren Entstehung und Behandlung zum Teil kontrovers diskutiert wird.

Für Züchter von Deutschen Pinschern stehen meines Wissens folgende Untersuchungen auf genetische Veränderungen zur Verfügung:

HD (Hüftgelenksdisplasie), vom PSK vorgeschriebene Pflichtuntersuchung

Dilutionsgen Fehlfarbe, einmalig, vom PSK vorgeschrieben seit 01.07.2011

von-Willebrand-Erkrankung = Blutgerinnungsstörung vWD , einmalig, vom PSK vorgeschrieben seit 01.07.2011.

jährliche Augenuntersuchungen bei einem DOK-Tierarzt auf erbliche Katarakt, vom PSK vorgeschrieben seit 01.07.2011 für die Dauer von zunächst drei Jahren.

Farbabweichungen vom Standard, z.B.   "Braun-Rot" oder rot mit brauner Nase (keine Plichtuntersuchung)

 

Darüber hinaus kann es zu Problemen mit den Ohrrändern kommen, deren Ursache noch nicht geklärt ist und daher auch noch keine Vorsorge-Untersuchungen bei den Elterntieren erfolgen können.

Behandlungsvorschläge bei auftretenden Ohrrandproblemen finden sie auf der Seite
Ohrrandprobleme

Sollten bei einer regulären Untersuchung vom Normalwert abweichende Schilddrüsenwerte beim Deutschen Pinscher festgestellt werden, lesen Sie bitte auf der Seite
Schilddrüsenwerte.

 

 
Pinch-hit's Lando

Die Reinzucht auf bestimmte Merkmale bringt es mit sich, dass andere Merkmale verloren gehen. Dies ist ein typisches Merkmal für alle Rassezuchten: Rassetiere sind bereits auf vielen Genen reinerbig, erst dadurch wird das einheitliche Aussehen erreicht. Je enger nun eine Rasse gezüchtet ist, umso mehr Gene sind reinerbig.

Obwohl der Deutsche Pinscher eine sehr alte Rasse ist (vermutlich geht er auf die Torfspitze zurück und findet erstmals 1836 Erwähnung bei Reichenbach) musste er 1920 (durch Einkreuzung von Black and Tan- Terriern) und 1958 (durch Einkreuzung von übergroßen Zwergpinschern) vor dem Aussterben bewahrt werden.

Besonders aus genetischen Gesichtspunkten ist diese zweite Wiederbelebung interessant. Die gesamte Population des Deutschen Pinschers in Deutschland entstand aus einer einzigen Deutschen Pinscher Hündin (Kitti vom Bodestrand) und den Zwergpinschern Jutta, Fürst, Illo und Onzo. Dazu wurden später vereinzelt Tiere aus der Schweiz und Frankreich angepaart. Diese waren Nachkommen aus Schnauzer pfeffer-salz x Pinscher - Verbindungen.
Ein weiterer Versuch, den Genpool zu erweitern, wurde in den 90-er Jahren mit der Einkreuzung einer Dobermann-Hündin gestartet. Hier sind jedoch leider nur wenige Hunde in der Zucht verblieben, der Nutzen ist daher sehr gering.


Hündin N-Wurf "Pinch-Hit's"

Trotz dieser "Vergangenheit" ist der Deutsche Pinscher eine Rasse, die sich von vielen anderen Hunderassen dadurch unterscheidet, dass sie relativ wenig gesundheitliche Probleme hat. Das liegt einerseits an der günstigen mittleren Größe - alle typischen Erkrankungen, die der Zwergwuchs einerseits oder der Riesenwuchs andererseits mit sich bringt treffen auf den Pinscher nicht zu. Auf der anderen Seite kam der Deutsche Pinscher glücklicherweise nie wirklich "in Mode" und die Zahl der Züchter und damit die Welpenzahlen stiegen nur langsam.

Somit sind mir keine Krankheiten bekannt, die speziell auf den Deutschen Pinscher zutreffen.

Dennoch basiert die Zucht des Deutschen Pinschers auf einem sehr engen Genpool und bei der Wahl der Zuchtpartner ist große Sorgfalt gefordert. Zudem sollte ein Deckrüde insgesamt nicht allzu häufig eingesetzt werden, schon, um das Risiko von rezessiv vererbbaren Krankheiten zu minimieren.

Da die Diskussion um die "Deckrüden-Einsatzhäufigkeit" und um den Nutzen (oder Schaden) von häufig eingesetzten Rüden (Popular sire) oft sehr emotional diskutiert wird, hier vielleicht ein kleiner Hinweis auf die Auswirkungen, die ein in Bezug auf ein Merkmal anlagetragender Rüde auf die Gesamt-Population haben könnte:

Beispiel: Ein Merkmal, das sich rezessiv (verdeckt) vererbt, tritt in einer Population in einer Frequenz von 20 auf. Nach der Hardy-Weinberg-Regel ist hier mit 4% kranken Tieren (= Merkmalsträger) und 32% heterozygoten (mischerbigen) Tieren zu rechnen (= Anlageträger).

Bleibt die Population im genetischen Gleichgewicht, wird sich diese Verteilung über mehrere Generationen nicht ändern.

Wenn nun aber ein Rüde, der Anlageträger für ein Krankheitsmerkmal ist, gehäuft als Deckrüde eingesetzt wird, gibt er (statistisch) an die Hälfte seiner Nachkommen dieses Krankheitsmerkmal weiter. Es ist durchaus möglich, dass sich die Krankheit bei seinen direkten Nachkommen noch gar nicht zeigt, trotzdem hat sich die Genfrequenz in der Population geändert.  Ändert sich die Frequenz "nur" von 20% auf 25% sind in der übernächsten Generation bereits 6% kranke Tiere und fast 40% mischerbige Tiere zu erwarten. Und das nur, weil ein Rüde im Verhältnis zu anderen verfügbaren Rüden häufiger (viel zu häufig) eingesetzt wurde.

 

 

  

Linktip Grundbegriffe der Genetik - Tibet Terrier Deki-la-Chenga

 

Buchtip: Inge Hansen "Vererbung beim Hund":

            

  Buchtipp: Hans Räber "Brevier neuzeitlicher Hundezucht":

             

 

 

 

 


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aktualisiert: 10.10.2011