Fehlfarbe
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 Fehlfarben "Blau" und "Isabell" ("Bronze", "Fawn")

 
Pinch-hit's Malou, auf dem Foto 4 Jahre alt
 

 

Auf einigen Homepages von Züchtern Deutscher Pinscher kann man neben der Beschreibung des Zuchthundes folgenden Hinweis so oder ähnlich formuliert lesen:

  • "Dilute-Status: DD" oder
  • "Gentest Dilute: DD" oder etwa
  • "reinerbig unverdünnte Fellfarbe"

Was steckt dahinter?

Symptomatisch für rezessive Vererbung beim Deutschen Pinscher sind die sogenannten Fehlfarben, die aus phänotypisch korrekt ausgefärbten Elterntieren fallen können.

Das Gen für die Farbverdünnung (englisch: dilute) steuert die Intensität der Fellfarbe. Es kommt in zwei Ausprägungen (Allelen) bei Deutschen Pinschern vor. Das Wildtyp-Allel für eine normale Farbausprägung wird mit dem Symbol "D" bezeichnet, während das Allel für die verdünnte Farbausprägung mit dem Symbol "d" gekennzeichnet ist. Jeder Hund besitzt zwei Kopien dieses Gens. Eins hat er vom Vater und eins von der Mutter geerbt.
Die Bezeichnung "reinerbig unverdünnt" ist insofern irreführend, da mit "Reinerbigkeit" oft andere Merkmale assoziiert werden. "Reinerbig unverdünnte Fellfarbe" bedeutet also, dass der Hund kein Anlageträger für das Verdünnungsgen ist - er ist deswegen nicht reinerbiger als alle anderen Deutschen Pinscher!

Man unterscheidet drei Gen-Kombinationen:

Hunde mit der Genkombination "dd" sind fehlfarbig. Im Fall von schwarz-roten Hunden tragen sie das Merkmal deutlich sichtbar in Form einer blauschimmernden Fellfarbe bzw. im Fall von "rot" ist das Fell sehr hell "isabell-farbig" oder "bronze". Hunde mit der Genkombination "dD" sind phänotypisch (im Erscheinungsbild) nicht von Hunden mit der Genkombination "DD" zu unterscheiden, tragen aber die Anlage zur Farbverdünnung in sich. Erst wenn zwei Anlageträger miteinander verpaart werden, können Fehlfarben fallen.

                                         
Linker Hund: Blau-rot                                                  Linker Hund: Bronze
rechter Hund: Schwarz-rot                                           Rechter Hund: Rot

Die Fehlfarbe (verdünnte Fellfarbe) an sich ist noch nicht die Krankheit, sie entspricht nur nicht den in der Zuchtordnung vorgeschriebenen Standard-Farben "schwarz-rot" bzw. "rot". Jedoch können bei diesen Hunden Haut- und Haarprobleme (Haarausfall, Sonnenbrand, Pickel) und evtl. Nebennierenerkrankungen auftreten.


Blau-roter Rüde mit Pusteln und lederartigen Ohren


Laut unserem Tierschutzgesetz ist es verboten, mit Tieren dieser Farbe zu züchten. In Ländern, die nicht der FCI angeschlossen sind, kann das anders aussehen.

Dies ist ein rezessiv (verdeckt) vererbtes Problem, welches (unter anderen) bei Deutschen Pinschern und Dobermännern auftritt. Bekannt ist es unter dem Namen "blue-dog-Syndrom".

Nur Merkmalsträger können dem blue-dog-Syndrom unterliegen!

Anlageträger sind gesunde Hunde - es ist kein Krankheitsmerkmal, die Anlage zur Fehlfarbe zu tragen!


Pinch-hit's Ma-Jolie (bronze), auf dem Foto 10 Monate alt


Pinch-hit's Melle (rot), auf dem Foto 10 Monate alt

Bisher mussten Züchter mühselig Ahnenforschung betreiben und sich auf die Zuverlässigkeit der Aussagen von Züchterkollegen verlassen. Trotzdem konnte niemand sicher sein, nicht doch einmal "die falsche Farbe" im Wurf liegen zu haben. Im Jahr 2003 und in 2005 traten in verschiedenen Zuchtstätten diese Fehlfarben auf. Fast gleichzeitig erfuhr ich im Frühjahr 2003 dass Prof. Tosso Leeb und sein Team für die Dobermänner versuchte, einen Gentest zu entwickeln. Die Züchter Deutscher Pinscher konnten sich diesem Forschungsprojekt anschliessen.


Pinch-hit's Malou (bronze) auf dem Foto 12 Monate alt

Seit Oktober 2005 ist nun in Deutschland ein Gentest verfügbar, der es möglich macht, Deutsche Pinscher auf die Anlage für die Fehlfarbe zu untersuchen.

Durch einen offenen Umgang mit den Ergebnissen des Gentestes lässt sich das Schreckgespenst "Fehlfarbenzucht" in seine Schranken verweisen.

 
Pinch-hit's Malou (bronze), auf dem Foto 12 Monate alt

Der Test ist eine einmalige Aktion. Einmal im Leben eines Hunde eine Blut- oder Haarprobe ins Labor einsenden und es ist für das gesamte Hundeleben klar, was der Hund in Bezug auf Farbe vererben wird. 
Das Ende des "blue-dog-Syndroms" ist durch Erscheinen und konsequente Anwendung des Gentestes bereits erreicht.

Wer Verpaarungen unter Anlageträgern vermeidet, vermeidet auch das Erscheinen von Fehlfarben.

 
Pinch-hit's Melroy, auf dem Foto 12 Monate alt

 

 
Pinch-hit's Melroy (ca. 4 Wochen) beim Schmusen mit Emily

Anmerkung: Emilys braune Nase und helle Augen deuten nicht auf das Dilutionsgen hin! Dass Emily kein Schwarzpigment bilden kann, liegt am Genort "B" (für Black), der bei beiden Elterntieren "Bb" lauten musste, damit Emily "bb" ausbilden konnte.

Emilys "Gencode" ist also für zwei Farbausprägungen bekannt:
"bb" für die braune Nase und "Dd" durch Gentest ermittelt, also Anlageträgerin für Dilute.

 

   Linktip: Artikel Prof. Leeb

 

 

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Copyright(c) 2005-2006 Andrea Kraft
Mail an Emily
aktualisiert: 25.09.2006