|
"Braun-Rot"
 Marabou,
Kennel Norrström
Zu Beginn
des Neuaufbaus der Pinscherzucht in Deutschland
durch Werner Jung im Jahr 1958 (erster Wurf am 26.06.58)
war die Fellfarbe des Deutschen Pinschers sekundär.
Die Eintragungen in den Zuchtbüchern von 1958 bis
1972 enthielten folgende Farbbezeichnungen und wurden
so benannt, wie der Züchter seine
Welpen beschrieben hat:
schwzbr,
br, hsch, brsch, rot, hbr, rbr, gelb-rot, bronce-br,
isabell, gelb, brgst, blaubr, schr
Der
Farbstandard war folgendermaßen beschrieben:
Zulässige
Farben.
Glänzend schwarz mit
rostroten bis gelben Abzeichen; je reiner und schärfer sich diese von der
Hauptfarbe abheben, um so besser. Dunkelbraun mit gelb und einfarbig, gelb oder
rotgelb in verschiedenen Tonstufen, jedoch nicht fahlgelb oder isabellfarbig.
Weiße Abzeichen unstatthaft. Pfeffer- und Salz-Farbig, in verschiedenen
Helligkeitsabstufungen, je reiner und rostfreier, um so besser. Zu letzterer
Farbenspielart ist zu bemerken, daß nur solche Hunde zulässig sind, die, sofern
sie nicht auf die in früheren Jahrzehnten hier und da reingezüchteten Pfeffer-
und Salz-Farbigen in Reinzucht zurückgehen, sondern Blut von
glatthaariggefallenen Produkten der Schnauzerzucht führen, mindestens drei
Generationen, entsprechend den oben gestellten Anforderungen durchgezüchtet sein
müssen.
Erst
mit Einführung des überarbeiteten Standards
ab dem 04.05.1973 galten nur noch zwei Farben
als zulässig:
Einfarbig
(braun in verschiedenen Tönen bis hirschrot)
sowie zweifarbig schwarz mit roten bzw. braunen
Abzeichen.....
Und
im heute gültigen Standard (18.07.2007) werden
die zugelassenen Farben wie folgt beschrieben:
Einfarbig:
Hirschrot, rot-braun bis dunkelrot-braun Schwarzrot:
Lackschwarzes Haar mit roten bzw. braunen Abzeichen.
Anzustreben ist ein möglichst dunkler, satter,
scharf abgegrenzter Brand...... .... Nasenschwamm:
Die Nasenkuppe ist gut ausgebildet und stets
schwarz ... Lefzen: Schwarz, fest und
glatt... ... Augen: Dunkel, oval, schwarz
pigmentierte, gut anliegende Lider
Obwohl
nun also auf diese beiden Farbschläge selektiert
wurde, fielen auch immer wieder andersfarbige Welpen. Im
Jahr 2000 bspw. fiel ein Wurf im Kennel Pinch-hit's
bei dem zwei Hündinnen zwar rot waren aber kein
Schwarzpigment aufwiesen. (Eine davon ist Emily).
 Pinch-hit's
Ilare, geb. März 2000
Im September
2007 fiel ebenfalls eine rote Hündin mit brauner
Nase und hellen Augen im Kennel Bäretriewer's:

Bäretriewer's
Akila, geb. September 2007
Im Dezember 2004,
März 2009 und April 2010 fielen dann in Schweden Würfe mit dunkelbraunen
Welpen. Auch sie zeigen kein Schwarzpigment,
dafür aber ein sehr schönes dunkelbraun mit
hellen Abzeichen. Diese Farbe gehört beim Dobermann
zum Standard, beim Deutschen Pinscher leider
nicht.

 Nikka
(Kennel Norrström), geb. März 2009 Fotos mit freundlicher
Genehmigung von Pirjo Porenne
Anders als bei den weiter unten
beschriebenen Dilutions-Farben sind diese Hunde
nicht krank!
 Marabou,
Kennel Norrström
Wie kommt es zur Entstehung
solcher nicht-standard-gerechten Farben bei
Verpaarung zweier standard-gerechter Hunde?
Erbgang:
Beim Zusammentreffen zweier Hunde, die beide
die Anlage für "Braun" tragen, fällt ein
gewisser Prozentsatz brauner Hunde und ein
Prozentsatz standard-gerechter Hunde. Der Genort
für Braun ist bekannt und wird als "B"
bezeichnet, ein Gentest ist vorhanden (Laboklin).
Zwei Allele sind diesem Genort zugeordnet. Ein
Hund mit "BB" bzw. "Bb"
zeigt Schwarzpigment, ein Hund mit "bb"
hat kein Schwarzpigment.
Für die hellen
Abzeichen (Tan-Färbung) ist ein weiterer Genort
("A")
zuständig: "at" weist auf die Ausprägung (at/at)
oder Anlage (AY/at) hin. Nur Hunde die at/at
sind, haben die sichtbare Tan-Färbung, Hunde,
die AY/AY sind, können mit keinem Zuchtpartner Tan-gefärbte
Hunde bringen.
Beim Zusammentreffen folgender
Genkombinationen wird das Auftreten braun-roter
Pinscher ermöglicht:
1.) Verpaarung zweier
schwarz-roter Hunde, die die Anlage für "b"
tragen:
B/b + at/at
X B/b + at/at
Welpen mit folgenden
Genkombinationen können geboren werden:
schwarz-rote
Welpen: B/b
+ at/at B/B
+ at/at
braun-rote Welpen
(mit Abzeichen): b/b
+ at/at
2.) Verpaarung eines schwarz-roten
Hundes mit einem roten Hund, die beide die Anlage
für "b" tragen und der rote Hund die Anlage
für Tan-Färbung trägt:
B/b + at/at
X B/b + AY/at
Welpen mit folgender
Genkombination können geboren werden:
schwarz-rote
Welpen: B/b
+ at/at B/B
+ at/at
braun-rote Welpen (mit Abzeichen):
b/b
+ at/at
rote Welpen mit schwarzer Nase: B/b
+ AY/at B/B
+ AY/at
rote Welpen mit brauner Nase: b/b
+ AY/at
3.) Verpaarung eines schwarz-roten
Hundes mit einem roten Hund, die beide die Anlage
für "b" tragen und der rote Hund reinerbig
für rot ist:
B/b + at/at
X B/b + AY/AY
Welpen mit folgender
Genkombination können geboren werden:
rote Welpen
mit schwarzer Nase:
B/B + AY/at B/b
+ AY/at
rote Welpen mit brauner Nase: b/b
+ AY/at
4.)
Verpaarung zweier reinerbig roter Hunde, die die Anlage für
"b" tragen:
B/b + AY/AY
X B/b + AY/AY
Welpen mit folgender
Genkombination können geboren werden:
rote Welpen mit
schwarzer Nase: B/B
+ AY/AY B/b
+ AY/AY
rote Welpen mit brauner Nase: b/b
+ AY/AY
5.) Verpaarung
zweier roter Hunde, die die Anlage für "b"
und die Anlage für die Tan-Färbung tragen:
B/b + AY/at
X B/b + AY/at
Welpen mit folgender
Genkombination können geboren werden:
schwarz-rote
Welpen: B/b
+ at/at B/B
+ at/at
braun-rote Welpen (mit Abzeichen): b/b
+ at/at
rote Welpen mit schwarzer Nase: B/b
+ AY/at B/B
+ AY/at B/b
+ AY/AY B/B
+ AY/AY
rote Welpen mit brauner Nase: b/b
+ AY/at
.jpg) Bäretriewer's
Akila, geb. September 2007
Anmerkung:
Seit einiger Zeit werden immer mehr Stimmen laut,
die den Farb-Standard des Deutschen Pinschers um
die Farbe "Braun-Rot" erweitert haben
wollen. Auch Gegenargumente hierzu wurden bereits
veröffentlicht, eine Diskussion ist also bereits
im Gang.
Ein Standard
wird so leicht nicht verändert, wie weiter oben dargestellt,
zeigt sich aber auch, dass "alte" Farben trotz
langjähriger Selektion immer wieder auftauchen können. Ein
Standard sollte deshalb nicht in Stein gemeißelt
sein!
In vielen anderen Rassen mit ähnlich engem Genpool
geht es wesentlich "bunter" zu.
Obwohl selten, zeigen diese "farblichen
Ausrutscher", dass streng genommen nie
sorglos verpaart werden konnte. Der Vorwurf
an die Züchter, sie hätten keine reinrassigen Verpaarungen
vorgenommen, ist abwegig.
Bereits schon
einmal zeigte sich, dass innerhalb kürzester Zeit
mehrere Würfe fallen können, mit Farben, die nicht
dem heutigen Standard entsprechen. (Siehe Dilute
weiter unten).
Züchtern, die die braun-roten
Farbausprägungen
vermeiden wollen, steht ein Gentest auf "B"
zur Verfügung und es besteht durchaus die Möglichkeit,
dass im Lauf der Jahre dieser Gentest zur Vermeidung
der Farben notwendig werden wird.
Die
Frage ist nun also, wo beginnt die Selektion eigentlich?
Bei Züchtern, die Gentests machen, um die Farbe
zu vermeiden oder bei Züchtern, die Gentests machen,
um die Farbe zu gewinnen?
Für mich war der
Beginn der Selektion bereits mit Einführung
des Standards 1973 und ich frage mich, wie lange
die DP-Zucht es sich noch leisten kann, äusserliche
Merkmale wie z.B. gleichmäßiges Rot ohne schwarze
Stichelung beim einfarbig roten Hund oder satt abgegrenzter
Brand mit deutlichen Abzeichen beim schwarz-roten
Hund so stark zu bewerten. Selbstverständlich
sollte der Pinscher sein typisches Aussehen bewahren
- das definiert sich aber nicht allein durch Farbe,
sondern durch viele andere äusserliche Merkmale
und - für mich am wichtigsten - durch bestimmte
Wesenszüge.
 Pinch-hit's
Inizia (Emilys Schwester) September 2004
"Blau"
und "Isabell"

Auf einigen Homepages von Züchtern Deutscher
Pinscher kann man neben der Beschreibung des Zuchthundes
folgenden Hinweis so oder ähnlich formuliert lesen:
- "Dilute-Status:
DD" oder
- "Gentest
Dilute: DD" oder etwa
- "reinerbig
unverdünnte Fellfarbe"
Was steckt
dahinter?
Symptomatisch für rezessive Vererbung beim Deutschen Pinscher
sind die sogenannten Fehlfarben, die aus phänotypisch korrekt ausgefärbten
Elterntieren fallen können.
Das Gen für die Farbverdünnung (englisch: dilute) steuert die Intensität der
Fellfarbe. Es kommt in zwei Ausprägungen (Allelen) bei Deutschen Pinschern vor. Das
Wildtyp-Allel für eine normale Farbausprägung wird mit dem Symbol "D" bezeichnet,
während das Allel für die verdünnte Farbausprägung mit dem Symbol "d" gekennzeichnet
ist. Jeder Hund besitzt zwei Kopien dieses Gens. Eins hat er vom Vater
und eins von der Mutter geerbt. Die Bezeichnung "reinerbig
unverdünnt" ist insofern irreführend, da mit "Reinerbigkeit"
oft andere Merkmale assoziiert werden. "Reinerbig
unverdünnte Fellfarbe" bedeutet also, dass der
Hund kein Anlageträger für das Verdünnungsgen ist -
er ist deswegen nicht reinerbiger als alle anderen Deutschen
Pinscher!
Man unterscheidet drei Gen-Kombinationen:
Hunde mit der Genkombination "dd"
sind fehlfarbig. Im Fall von schwarz-roten Hunden tragen
sie das Merkmal deutlich sichtbar in Form einer
blauschimmernden Fellfarbe bzw. im Fall von "rot"
ist das Fell sehr hell "isabell-farbig" oder
"bronze". Hunde mit der Genkombination "dD"
sind phänotypisch (im Erscheinungsbild) nicht von Hunden
mit der Genkombination "DD" zu unterscheiden,
tragen aber die Anlage zur Farbverdünnung in sich. Erst
wenn zwei Anlageträger miteinander verpaart werden,
können Fehlfarben fallen.
 Linker
Hund: Blau-rot Linker
Hund: Bronze rechter Hund: Schwarz-rot Rechter
Hund: Rot
Die Fehlfarbe
(verdünnte Fellfarbe)
an sich ist noch nicht die Krankheit, sie entspricht nur nicht den in der
Zuchtordnung vorgeschriebenen Standard-Farben "schwarz-rot" bzw. "rot". Jedoch
können bei diesen Hunden Haut- und Haarprobleme (Haarausfall,
Sonnenbrand, Pickel) und evtl. Nebennierenerkrankungen auftreten.
 Blau-roter
Rüde mit Pusteln und lederartigen Ohren
Laut unserem
Tierschutzgesetz ist es verboten, mit Tieren dieser Farbe zu züchten. In
Ländern, die nicht der FCI angeschlossen sind, kann das anders
aussehen.
Dies ist ein
rezessiv (verdeckt) vererbtes Problem, welches (unter anderen) bei Deutschen
Pinschern und Dobermännern auftritt. Bekannt ist es unter dem Namen
"blue-dog-Syndrom".
Nur
Merkmalsträger können dem
blue-dog-Syndrom unterliegen!
Mit Inkrafttreten der neuen Zuchtordnung des PSK zum 01.07.2011
unterliegen die Deutschen Pinscher der Pflichtuntersuchung
auf Dilute vor dem Zuchteinsatz.
Anlageträger sind gesunde Hunde - es ist kein Krankheitsmerkmal,
die Anlage zur Fehlfarbe zu tragen!
 Pinch-hit's Ma-Jolie (bronze), auf dem Foto 10 Monate
alt
 Pinch-hit's Melle (rot), auf dem Foto 10 Monate alt
Bisher mussten
Züchter mühselig Ahnenforschung betreiben und sich auf die Zuverlässigkeit der
Aussagen von Züchterkollegen verlassen. Trotzdem konnte niemand sicher sein,
nicht doch einmal "die falsche Farbe" im Wurf liegen zu haben. Im Jahr 2003 und
in 2005 traten in verschiedenen Zuchtstätten diese Fehlfarben auf. Fast gleichzeitig
erfuhr ich im Frühjahr 2003 dass Prof. Tosso Leeb und sein Team für die Dobermänner
versuchte, einen Gentest zu entwickeln. Die Züchter Deutscher Pinscher konnten
sich diesem Forschungsprojekt
anschliessen.
 Pinch-hit's
Malou (bronze) auf dem Foto 12 Monate alt
Seit Oktober
2005 ist nun in Deutschland ein Gentest verfügbar, der es möglich macht,
Deutsche Pinscher auf die Anlage für die Fehlfarbe zu untersuchen.
Durch einen offenen Umgang mit den Ergebnissen des Gentestes lässt
sich das Schreckgespenst "Fehlfarbenzucht" in seine Schranken verweisen.
 Pinch-hit's
Malou (bronze), auf dem Foto 12 Monate alt
Der Test ist eine einmalige Aktion. Einmal
im Leben eines Hunde eine Blut- oder Haarprobe ins Labor einsenden und es ist für das
gesamte Hundeleben klar, was der Hund in Bezug auf Farbe vererben wird.
Das Ende
des "blue-dog-Syndroms" ist durch Erscheinen und konsequente Anwendung des
Gentestes bereits erreicht.
Wer Verpaarungen unter
Anlageträgern vermeidet, vermeidet auch das Erscheinen von Fehlfarben.
 Pinch-hit's Melroy,
auf dem Foto 12 Monate alt
 Pinch-hit's Melroy
(ca. 4 Wochen) beim Schmusen mit Emily
Anmerkung: Emilys braune Nase
und helle Augen deuten nicht auf das Dilutionsgen
hin! Dass Emily kein Schwarzpigment bilden kann, liegt
am weiter oben beschriebenen Genort "B", der bei beiden
Elterntieren "Bb" lauten musste, damit Emily
"bb" ausbilden konnte.
Emilys "Gencode" ist
also für zwei Farbausprägungen bekannt: "bb"
für die braune Nase und "Dd" durch Gentest
ermittelt, also Anlageträgerin für Dilute.
Linktip: Artikel Prof. Leeb
zurück zu
Gesundheit
|