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 Sinn- und maßvoll impfen - aber wie?

 

 

1.) Grundimmunisierung von Welpen

2.) Grundimmunisierung erwachsener Hund

3.) Wiederholungsimpfungen

4.) "Problem" Tollwut-Impfung

 

Impfungen können schwere, ja tödliche Erkrankungen mit sich bringen. Es gilt, wie überall in der Medizin:

Kein Medikament ohne Nebenwirkungen!

Impfstoffe haben zudem ein anderes Nebenwirkungspotential als andere Arzneimittel. Das Immunsystem ist vielfältig mit dem Nervensystem und dem endokrinen System verbunden, daher sind Erkrankungen des Nervensystems oder des endokrinen Systems aufgrund von Impfungen biologisch plausibel! (Bsp.: Hirnschäden nach Impfungen oder Schilddrüsenerkrankungen nach Impfungen). (Quelle: Prof. Dr. Ron Schultz, Leiter des Fachbereichs Pathobiologie an der Veterinärhochschule der Staatsuniversität von Wisconsin (USA) in Madison.)

Leidvolle Erfahrungen mit vorschriftsmässigen Impfungen ihrer Welpen haben Züchter vieler verschiedener Rassen bereits machen müssen. Zusätzlich zur Frage nach dem "wie richtig impfen?" stelle ich mir die Frage, was Impf-Vorschriften mit Zucht-Vorschriften zu tun haben.

Wie bereits viele andere möchte ich auf diesem Weg versuchen, Ihnen solche Erfahrungen zu ersparen. Reaktionen auf Impfungen können jederzeit und bei jeder Rasse und jeder Mischung aus verschiedenen Rassen auftreten.

 

 

Welpen bekommen über die Plazenta und hauptsächlich über die erste Milch (Kolostrum) Antikörper mit.
Maternale Antikörper bauen sich im Lauf der Zeit ab. Solange viel maternale Antikörper vorhanden sind, kann eine Impfung nicht gelingen, weil die Antikörper die Impfantigene abfangen.

Studien haben gezeigt, dass Welpen weit über die 12. Woche maternale Antikörper aufweisen können, andererseits kann es auch sein, dass Welpen bereits in der 7. Woche keine Titer mehr aufweisen.

Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte hat in seiner Impfempfehlung daher als Grundimmunisierung drei Impfungen in kurzen Zeitabständen empfohlen.

ZITAT…..Da es unbekannt ist, ob der Welpe maternale Antikörper besitzt und in welcher Höhe diese Antikörper vorliegen, ist ein Abschätzen des Impfzeitpunktes und letztlich des Impferfolges praktisch unmöglich. Die Strategie ist daher, durch mehrere Impfungen in kurzen Abständen die Zeitspanne, in der der Welpe durch maternale Antikörper nicht mehr geschützt ist, aber auch noch keine aktive Immunität aufgebaut hat so klein wie möglich zu halten….Wenn der Welpe ein Alter von 16 Wochen erreicht hat, ist davon auszugehen, dass keine maternalen Antikörper mehr vorliegen.

Der optimale Impfzeitpunkt für die Erstimpfung von Welpen lässt sich sehr wohl  bestimmen:

 1.) Grundimmunisierung von Welpen (erste Impfung!):

Anmerkung: Es gibt keine Korrelation zwischen Impftitern der Mutterhündin und den maternalen Titern des Wurfes. (Hierzu gibt es zwei deutsche Studien unter Mitwirkung von Prof. Truyen.) Es macht daher wenig Sinn, die Hündin vor der Trächtigkeit noch einmal "gründlich durchzuimpfen" damit die Welpen besser geschützt sind. Im Gegenteil, häufiges Nachimpfen kann zu niedrigeren Titerwerten führen.

a) Titer-Messung:

Zitat Prof. Truyen (Quelle: "Der Hund" Ausgabe 6/2004):  "Der optimale Zeitpunkt der Impfung wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Zum einen spielt der Antikörpertiter der Mutter eine große Rolle. Diese so genannten maternalen Antikörper werden von der Mutter auf die Welpen übertragen und können über einer bestimmten Höhe die Impfung negativ beeinflussen." Zitat Ende

Welpen erhalten über die Muttermilch (und zum geringen Teil über die Plazenta) Antikörper. Diese maternalen Antikörper bauen sich mit der Zeit ab. Wann die maternalen Antikörper weit genug abgebaut sind, damit eine Impfung Erfolg verspricht, kann mit einer Titermessung ermittelt werden:

Hierfür wird einem oder zwei Welpen eines Wurfes im Alter von ca. 6 Wochen Blut entnommen und in ein Labor geschickt. Es ist nicht notwendig, jedem Welpen Blut abzunehmen!

Für Staupe und Parvovirose liegen Referenzwerte vor, viele Labors (bspw. Vetmed, Ludwigsburg oder Laboklin, Bad Kissingen) benennen aufgrund dieser Werte gleich den optimalen Impfzeitpunkt.

Solange die Referenzwerte noch überschritten sind, verhindern die maternalen Antikörper möglicherweise den Erfolg der Impfung. Verantwortungsbewusste Züchter versuchen deshalb, im Rahmen ihrer vom Zuchtverband vorgegebenen Möglichkeiten, die Impfung erst NACH Unterschreiten des Referenzwertes durchzuführen.

Liegen die Daten aus der Titermessung dann vor, kann der optimale Zeitpunkt für die erste Impfung der Welpen errechnet werden.

Die optimalen Impfzeitpunkte für Staupe und Parvo können variieren. Der Welpe sollte jedoch zu den jeweils errechneten Terminen erstmalig geimpft werden, keinesfalls früher. Einzelimpfstoffe, soweit verfügbar zu verwenden, ist immer eine gute Idee!

Etwa 2-3 Wochen nach dieser Erstimpfung kann erneut eine Titer-Bestimmung durchgeführt werden um den Impferfolg zu kontrollieren. Sind die Werte auch nur geringfügig höher als der zuerst ermittelte Wert, war die Impfung erfolgreich.

Im Fall von Lebendimpfstoffen (S-H-P) ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Es ist kein weiteres Nachimpfen nötig.

Ausschliesslich für oben beschriebenes Vorgehen halte ich Titer-Messungen für sinnvoll, da hier tatsächlich die körpereigenen Antikörper gemessen werden. Meiner Meinung nach macht es keinen Sinn, die Titer bei erwachsenen, bereits mehrfach geimpften Hunden zu bestimmen um den Zeitpunkt einer weiteren Impfung zu bestimmen.

Die Impfung gegen Leptospirose sollte vermieden werden, die Gründe sind an anderer Stelle ausführlich genannt.

Zwingerhustenimpfung halte ich ebenfalls für unnötig. Entscheidend für den Schutz vor Zwingerhusten ist nicht die Impfung, sondern die Art der Haltung. Wenn viele Hunde auf engem Raum unter Streß und in schlechten hygienischen Verhältnissen leben, schützt auch die Impfung nicht vor Zwingerhusten.

 

b) ohne Titer-Messung:

Wenn Sie (oder der Züchter) aus irgendeinem Grund keine Titermessung wie oben beschrieben durchführen wollen oder können, sollte der Welpe seine letzte Impfung im Alter von 16 Wochen erhalten. In diesem Alter sind mit hoher Wahrscheinlichkeit keine maternalen Antikörper mehr vorhanden, diese Impfung verspricht also Erfolg.

Züchter, die die Impf-Vorschriften ihres Zuchtverbandes einhalten wollen, sollten ihre Welpen so spät als möglich impfen. Es ist sinnvoll, die entsprechenden Passagen der Zuchtordnung genau zu lesen.

Es soll einen Parvo-Impfstoff geben, der bereits in der 6. Lebenswoche geimpft werden kann. Ich würde dies trotzdem nicht tun. Eine Staupe-Impfung zu so frühem Zeitpunkt wird von keinem mir bekannten Impfstoff-Hersteller empfohlen.
 

Gegen Tollwut würde ich immer separat impfen, frühestens in der 16. Lebenswoche, am besten wäre, erst nach abgeschlossenem Zahnwechsel.

 

 

2.) Grundimmunisierung erwachsener Hund:

Eine einmalige Impfung gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose (S-H-P) und zwei oder mehr Wochen später Tollwut separat. Dieser Fall tritt nur ein, wenn die Herkunft des Hundes und damit der Impfstatus unklar ist.

 

3.) Wiederholungsimpfungen:

Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte empfiehlt Nachimpfungen im Abstand von einem bis drei Jahren. Im Fall von Lebendimpfstoffen (Staupe, Hepatitis und Parvovirose) ist eine einmalige Impfung jedoch völlig ausreichend, wenn die maternalen Antiköper bereits abgebaut sind. Tollwut-Nachimpfungen nach Packungsbeilage.

 

4.) "Problem" Tollwut-Impfung:

Zwar gibt es in Deutschland keine Impfpflicht, jedoch eine Tollwut-Verordnung. Mit Datum vom 20.12.2005 wurde diese Tollwut-Verordnung endlich dem EU-Recht angepasst. Damit ist nun die jährliche Nachimpfung nicht mehr nötig, nun gelten Wiederholungsimpfungen, die innerhalb der vom Hersteller angegebenen Zeitabstände verabreicht worden sind als ausreichender Schutz.

Nachdem Deutschland seit 2006 offiziell Tollwut-frei ist, wurde die Tollwut-Verordnung am 4.10.2010 erneut etwas abgeändert! Der für Veranstaltungen mit Hunden sehr interessante § 4 "Anzeige von Ausstellungen" wurde wie folgt abgeändert:
Zitat:" (1) Hunde- und Katzenausstellungen sowie Veranstaltungen ähnlicher Art mit Hunden und Katzen im gefährdeten Bezirk sind der zuständigen Behörde mindestens vier Wochen vor Beginn anzuzeigen."
Derzeit (2010) gibt es offiziell keine gefährdeten Bezirke mehr in Deutschland. Somit besteht auch keine Anzeigepflicht und damit kein behördliches Erfordernis, die Tollwut-Impfungen zu kontrollieren!

 Linktip: Tollwut-Verordnung geändert!

 Linktip: Das Wichtigste zur Tollwutverordnung als Flyer zum Download

 

 

5.) Wann sollten Sie nicht impfen?

Es ist traurig, darauf hinweisen zu müssen aber Impfungen sind mittlerweile eine Routine-Handlung geworden, der Tierhalter wird selten ausführlich aufgeklärt und weiß oftmals gar nicht, wogegen sein Tier nun geimpft wurde.

Sie sollten Ihr Tier nicht impfen lassen

  • bei Krankheit oder gerade ausgestandener Krankheit
  • bei chronischen Erkrankungen
  • in der Läufigkeit
  • während der Trächtigkeit
  • während der Welpenaufzucht
  • im Zahnwechsel
  • vor oder kurz nach zu erwartendem Stress (Besitzerwechsel, Prüfungen, Ausstellungen)
  • wenn bereits einmal Reaktionen auf eine Impfung gezeigt wurden

 

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht und auch die Zuchtverbände, Rettungshundestaffeln und allgemeinen Hundevereine sollten keine Vorschriften erlassen, die nachweislich gesundheitsschädlich sein können.

Züchtern sollte freigestellt werden, wann sie wogegen impfen, schließlich haben sie die Verantwortung für die kleinen Lebewesen.  Eine Titerbestimmung eines anerkannten Labors sollte doch wohl genügen, um Impfungen zum richtigen Zeitpunkt zuzulassen, Wurfabnahmen hin oder her!

 
Foto: Jeanette Hutfluss

 

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Copyright(c) 2005-2008 Andrea Kraft
Mail an Emily
aktualisiert: 04.11.2012

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